Geschichten, Bilder und Metaphern der Stadt – Bedeutungsüberschuss als schöpferisches Potential, No 6

Städte sind als Phänomene so komplex, dass wir sie nur schwer als Ganzes denken und erfassen können. Nur aus spezifischen Blickwinkeln, mit konkreten Konzepten und Interessen im Hinterkopf lässt sich über Städte nachdenken und sprechen. Genau wie die Städte selbst verändern sich diese Blickwinkel, Konzepte und Interessen. Die Verstädterung der Welt erzeugt daher nicht nur ein grosses Spektrum an städtischen Entwicklungsmustern, sondern auch eine Vielzahl von Lesarten und Zugangsweisen. Diese Auseinandersetzung mit dem Phänomen Stadt versammelt gleichzeitig immer auch gesellschaftliche Hoffnungen und Ängste. Diese werden in Geschichten, Mythen und Metaphern fortlaufend konstruiert, sichtbar gemacht, kritisiert, weiterentwickelt – Städte generieren permanent neue (Sprach-)Bilder.

Die Auseinandersetzung mit dem Phänomen »Stadt« ist daher immer auch eine kontinuierliche Interpretationsarbeit, die mit vielschichtigen Bedeutungen umgehen können muss. Dabei gibt es immer einen »Überschuss an Bedeutung« dem wir in dieser Ausgabe von »Common – Journal für Kunst & Öffentlichkeit« ein kreatives Potential zuschreiben wollen. Uns interessiert das genaue Hinsehen auf die Symbole, Bilder und Metaphern, die im Denken und Sprechen über die Stadt zur Anwendung kommen. Dem durch diese erzeugten »Überschuss an Bedeutung« widmen wir unsere Aufmerksamkeit, zeigen Projekte, die zwischen künstlerischer Praxis, Lebenswelt und theoretischer Forschung entwickelt wurden.

Wie kann mit diesem diffusen Zuviel an Bedeutungen umgegangen werden? Ist der Überschuss an urbanen Bedeutungen beispielsweise in Metaphern aufgehoben und mit diesen aufzufangen? Metaphern scheinen in einem direkten Zusammenhang mit urbanistischen und architektonischen Konzepten und mit kulturwissenschaftlichen Zugängen zu Stadt zu stehen. In ihrer Bildhaftigkeit verweisen sie auf die grundlegenden Konzepte, die dem jeweiligen Denken und Handeln zu Grunde liegen – und können die Ideologien einer Zeit sichtbar machen.

Andri Gerber setzt sich mit Metaphern der Stadt in der Architektur- und Städtebaugeschichte auseinander. Eine »Stadtmetaphorologie« sei noch lange nicht geschafft, meint er – und verschafft uns einen Einblick in den Stand seiner Auseinandersetzungen. Seinen Beitrag betitelt er als »Vorbemerkungen« zu einer solchen Stadtmetaphorologie.

Ruedi Weidmann nimmt uns als Historiker mit auf einen Spaziergang, in dem er uns regelrecht »Stadt« vorliest. Die Stadt wird bei ihm zu einer spannenden und oft auch überraschenden Lektüre.

Ein ungewohntes Bild der Skyline von Hong Kong steht am Anfang der Überlegungen von Peter Benz. Dass in Städten auch Orte gestaltet werden, an denen die »richtigen« und »guten« Fotografien der Stadt gemacht werden können/sollen, und diese Bilder wiederum die Stadt prägen, hat in einer Stadt wie Hong Kong eine besondere, auch politische Bedeutung.

Sonja Hnilica geht in ihrem Beitrag einer derzeit dominanten Metapher der Stadt nach: der Stadt als intelligenten Maschine. In der Aufarbeitung der Geschichte dieser Metapher wird nicht nur die Entwicklung, sondern das Eigenleben dieser Metapher deutlich.

Über die Rolle von Hochschulen in der aktuellen Stadtentwicklung macht sich Janine Schiller Gedanken. An sechs konkreten, aktuellen Beispielen aus der Schweiz zeigt uns Janine Schiller das »neue« Verhältnis von Wissensarchitekturen und Stadtentwicklung auf.

Im Beitrag von Basil Rogger wird deutlich, wie lange die Stadt in der Literaturgeschichte schon ein Thema ist. Subjektiv ausgewählte Titel aus den vergangenen 150 Jahren spannen einen Bogen von Victor Hugo bis Don DeLillo.

Aber was wäre eine Ausgabe zum Thema Metaphern, wenn sie sich nicht explizit dem nicht-textlichen, den Bildern, Tönen, Filmen, Geräuschen, Gerüchen, Interaktionen von Städten widmen würde? Dieser, eher künstlerisch-gestalterisch ausgerichteten Betrachtungsweise von Stadt haben sich drei Hochschulen in einem gemeinsamen, einjährigen Projekt gewidmet. Studierende aus Zürich (Zürcher Hochschule der Künste), Hamburg (HafenCity Universität) und Hong Kong (Academy of Visual Arts, Baptist University of Hong Kong) haben gemeinsam inter- und transdisziplinäre Projekte realisiert, welche auf Grund von gegenseitigen Besuchen in allen drei Städten entstanden sind. Eine Auswahl der dabei entstandenen Arbeiten ist im Sammelbeitrag »Metaphern der Stadt. Die Stadt als Erfahrungsaustausch« zu sehen.

Stadt schreiben. Urbanität und Literatur von 1831 bis 1931

Phaidros: Du aber, Sokrates, bist doch ein ganz wunderlicher Kauz. Denn genau wie du sagst: einem Fremden, der sich hier führen lassen muss, gleichst du, und nicht einem Einheimischen. So wenig kommst du über die Grenzen des Stadtgebiets hinaus; ja … Beitrag ansehen

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Stadt lesen…

Vorschläge für einen möglichst effekt- und reizvollen Stadtlese-Unterricht an einer Fachhochschule. Normalerweise liest man Wörter; «Stadt lesen» ist wohl für die meisten Menschen eine verwirrende Metapher. Sie sehen den Zweck einer Ortschaft kaum in deren Lektüre – Orte sind schliesslich … Beitrag ansehen

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Metaphern der Stadt. Die Stadt als Erfahrungsaustausch

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Die Stadt als intelligente Maschine. Zum Eigenleben einer Metapher

»Vielleicht ist die Universalgeschichte die Geschichte von ein paar wenigen Metaphern«, spekulierte Jorge Louis Borges in Die Sphäre Pascals.1 Und er spitzte diese Vermutung noch weiter zu: »Vielleicht ist die Universalgeschichte die Geschichte der unterschiedlichen Betonung von ein paar wenigen … Beitrag ansehen

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The City, Shaped by the Photo-Opportunity

Ever since the opening of the Guggenheim-Museum in Bilbao in 1997 urban managers all over the world have been trying to re-create its impact by commissioning ever more extravagant buildings as a means of branding their cities. Largely un-noticed the … Beitrag ansehen

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Vom Elfenbeinturm in den Leuchtturm

Welche Rolle spielen neue Hochschulbauten für die Stadtentwicklung? Was verändert sich für die Hochschulen, was für das städtische Umfeld? Die jüngsten Entwicklungen in der Hochschullandschaft der Schweiz als Anlass für eine Reflexion Ausgangspunkt der folgenden Ausführungen ist die Beobachtung, dass … Beitrag ansehen

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Prolegomena zu einer Stadtmetaphorologie

Den Versuch einer Metaphorologie, also einer Systematik der Metapher(n) haben bisher nur Wenige gewagt: So der Philosoph Hans Blumenberg mit seiner 1960 erschienen Studie Paradigmen zu einer Metaphorologie; oder in anderer Form der Philosoph Ralf Konersmann mit seinem systematischen Wörterbuch … Beitrag ansehen

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Literaturliste zu Geschichten, Bilder und Metaphern der Stadt, No6

Pro qm, die thematische Buchhandlung zu Stadt, Politik, Pop, Ökonomiekritik, Architektur, Design, Kunst und Theorie aus Berlin, hat für Common – Journal für Kunst & Öffentlichkeit aktuelle Literatur zum Thema zusammengestellt: Camillo Sitte Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen Birkhäuser … Beitrag ansehen

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