Vom Elfenbeinturm in den Leuchtturm

Geschichten, Bilder und Metaphern der Stadt – Bedeutungsüberschuss als schöpferisches Potential, No 6.

Welche Rolle spielen neue Hochschulbauten für die Stadtentwicklung? Was verändert sich für die Hochschulen, was für das städtische Umfeld? Die jüngsten Entwicklungen in der Hochschullandschaft der Schweiz als Anlass für eine Reflexion

Ausgangspunkt der folgenden Ausführungen ist die Beobachtung, dass die Kunsthochschulen in Zürich, Basel und Luzern in städtischen Entwicklungsgebieten in die bauliche Infrastruktur investieren oder wie in Bern – um konkurrenzfähig zu bleiben – Investitionen für Erweiterungsbauten einfordern. Die Pädagogische Hochschule Zürich hat 2013 einen viel beachteten Neubau in der Stadtmitte über einer Shoppingmall bezogen, die ETH plant Erweiterungen für eine urbane Verdichtung der Science City Hönggerberg. Die Universität Zürich, die ETH und Universitätsspital schliesslich wollen das zentral gelegene, gewachsene Hochschulquartier erneuern und dieses mit dem Schauspielhaus und dem Kunsthaus um eine »Bildungs- und Kulturmeile« erweitern. Zugespitzt lässt sich im direkten wie übertragen Sinn die These formulieren, dass die unternehmerisch geführte Hochschule einen Umzug vom Elfenbeinturm in den Leuchtturm vollzieht. Durch diese Investitionen in die Corporate Architecture werden die Bedeutung des Standorts der Hochschulen und ihr Bezug zur Stadt akzentuiert. Dies lässt sich zum einen als Folge der Hochschulpolitik lesen, die sich im verstärkten internationalen Wettbewerb auf dem Bildungsmarkt bewähren muss. Darüber hinaus – und hier von besonderem Interesse – manifestiert sich darin baulich und sozial ein neues wechselseitiges Verhältnis von Wissensarchitektur und Stadtentwicklung: Hochschulen werden nicht mehr als in sich abgeschlossene Wissenssysteme gebaut und gedacht, sondern sie öffnen sich zunehmend zum städtischen Umfeld und nehmen darauf Bezug. Für die Kommunen sind die Hochschulen in urbanen Transformationsprozessen städtebaulich wichtige Bausteine und massgebliche Entwicklungsfaktoren. Diese beiden Perspektiven von Hochschule und Stadt sollen nachfolgend beleuchtet und anhand der eingangs erwähnten Beispiele ausgeführt werden.

1. Wissensarchitekturen als Corporate Architecture
Mit der aktuellen Wissensgesellschaft haben sich die Rahmenbedingungen für die Bildung verändert, das Hochschulwesen ist einer globale Wettbewerbssituation ausgesetzt. Es geht um knapper werdende Budgets, innovative Forschungsergebnisse und eine immer mobilerer Bildungselite. Danach stehen nicht mehr Bildungschancen für alle im Zentrum sondern Prinzipien wie Exzellenz und Qualität. Hochschulen stehen damit vermehrt unter dem Druck, sich regional, national und international zu positionieren, um konkurrenzfähig zu bleiben. Je nach Bedarf und Leistungsziel wird entweder die Lehre oder die international ausgerichtete Forschung mit Innovationspotential als zentraler Treiber der Positionierung ins Zentrum der Hochschulstrategie gestellt. Forciert und getrieben wurde dieser Wandel u.a. mit dem im Jahr 2000 formulierten Beschluss des Europäischen Rats (Lissabonner Abkommen), demzufolge die Europäische Union sich zu einem der »wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsräume in der Welt« entwickeln sollte, sowie der Bologna-Reform, durch welche das Ideal eines einheitlichen europäischen Hochschulraums mit vergleichbaren Studienformaten erreicht werden sollte.
Im Rahmen dieser Positionierung der Einzelinstitutionen und insbesondere mit der Entwicklung der Fachhochschulen, wurden in den letzten 10 Jahren auch in der Schweiz neue baulich-räumliche Anforderungen an die Bildungsinstitutionen gestellt. Viele Hochschulen investierten deshalb in ihre Standorte und Gebäude, sie leiteten umfassende Modernisierungsprojekte ein oder errichteten neue, teils spektakuläre Bauten. Die Gestaltung der neuen Hochschulen und deren Anbindung an die Stadt spielen in diesen Planungen eine zunehmend wichtigere Rolle, mit dem Ziel sich im Wettbewerb behaupten zu können. Die Bedeutung der Architektur und Infrastruktur wird damit für die Hochschule noch grösser. Nebst den inhaltlichen und baulichen Anforderungen sind ein attraktiver Standort und modernste Infrastruktur Teil von intensivierten Marketingmassnahmen im Sinne der Corporate Architecture. Das bedeutet, es wird architektonisch in die behauptete Potenz investiert, um der Exzellenz der Lehr- und Forschungsanstalten materiell wie visuell Ausdruck zu verleihen. Das Image und die Strahlkraft der Hochschule reichen über das Fächerspektrum, das Studienangebot und den Lehrkörper hinaus und unterstreichen bewusst Argumente des Standorts, sei es fürs Wohnen oder fürs Arbeiten. Damit sollen die begabtesten Studenten, die renommiertesten Forscherinnen und die besten Dozenten angesprochen werden. Im direkten wie übertragen Sinn, vollzieht die unternehmerisch geführte Hochschule damit den Umzug vom Elfenbeinturm in den Leuchtturm. Wie sich die Öffnung der Hochschulen hin zum urbanen Umfeld auf den Lehr- und Forschungsbetrieb auswirkt und wie sich mit der intensivierten Nachbarschaft der gesellschaftliche Anspruch an die Bildungsinstitution weiter verändert, lässt sich heute noch schwer abschätzen. Gewiss ist, dass damit die Hochschulen hinsichtlich der Legitimation und Verwertbarkeit des von ihnen »produzierten« Wissens stärker in den öffentlichen Fokus rücken.

2. Stadtentwicklung durch »Studentification«
Als öffentliche Institutionen prägten und prägen die Hochschulen das Gesicht und die Geschichte der Stadt mit. Dass Hochschulen als Orte des Wissens, als Impulsgeber für Kreativität, Innovation und Kultur verstanden und dementsprechend durch die Städte gefördert werden, ist an sich kein neuer Befund. In der wissensbasierten Gesellschaft nehmen die Hochschulen in urbanen Entwicklungsprozessen aber eine zunehmend bedeutendere Rolle ein. Die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen zeigen sich im räumlichen System: So häufen sich in stadtentwicklungspolitischen Leitbildern die Formulierung von Zielen rund um den Begriff der »Wissensgesellschaft«. Unter Stichworten wie »Stadt des Wissens«, »UniverCity«, »Science City« oder »Knowledge City« wurden und werden Forschungsprogramme und Wettbewerbe formuliert, die das städtische Zusammenspiel von Globalisierung, regionalem Strukturwandel und dem veränderten Stellenwert von Wissen für Politik, Wirtschaft, Bildung und Wissenschaft untersuchen. Dies bekräftigt nicht zuletzt das Motto der Internationalen Bauausstellung IBA in Heidelberg: »Wissen-schafft Stadt«. Die IBA bezeichnet damit doppelsinnig das Wissen und die Wissenschaft als Motor der Stadtentwicklung. Auch wenn ein gehöriges Mass an Rhetorik, Stadt- oder Standortmarketing drin steckt, ist diese Entwicklung durchaus Ernst zu nehmen.

In all ihrer Verschiedenheit zeugen die Überlegungen der »wissensbasierten« Stadtentwicklung davon, dass die Frage des Verhältnisses von Stadt und Wissen gegenwärtig neu verhandelt wird. Selten wird kritisch im Sinne der »Enträumlichungsthese« hinterfragt, ob für die Wissensproduktion denn überhaupt physisch-materielle Infrastrukturen, sprich ein Standort, notwendig sind. Ganz im Gegenteil: Das Konzept der »Proximity«, also Nähe-Beziehungen, spielt in der Regionalökonomie eine grosse Rolle; es setzt auf die sozialräumlich vorhandene Ressource Wissen, die nebst der globalen technologie-basierten Kommunikation, Face-to-Face in Wissensnetzwerken gebündelt werden soll. Die räumliche Nähe von unterschiedlichen Wissensträgern gilt auch gemäss Saskia Sassen als Voraussetzung für einen prosperierenden Standort. Global bedeutende Städte sind heute nicht mehr nur durch die Finanzökonomie geprägt, sondern zunehmend auch durch eine hochspezialisierte Wissensökonomie: Bestehend aus einem Netzwerk an Spezialisten, vertraut mit der lokalen Geschäftskultur, und einem hochdifferenzierten urbanen Wissenskapital, das die Besonderheit einer Stadt abbildet und damit eine besondere Begabung (»capacity«) verknüpft. Neben branchen- oder fächer-spezifischen Kompetenzen bilden Hochschulen generalisierende Handlungsfähigkeiten aus: die Fähigkeit, situationsadäquat neue Kompetenzen auszubilden und sie für Problemlösungen einzusetzen (Rudolf Stichweh). Diese Möglichkeit, Lerneffekte auf andere Problemstellungen zu übertragen, wird auch als »productivity spillover« bezeichnet. Deshalb ist der Wissensaustausch zwischen Hochschulen, Unternehmen und Stadt zentral wichtig.

Aus diesen Darlegungen dürfte deutlich werden, warum die Kommunen Interesse an den Hochschulen, ihren Absolventinnen und Absolventen haben und mittels Stadtentwicklung die Qualität des Wissensstandorts sichern wollen. Dabei ist das Verhältnis von Hochschule und Stadtentwicklung nicht nur an ökonomisches Wachstum geknüpft, es ist vielfältiger. Auffallend ist, wie gerade in den städtischen Entwicklungsgebieten vermehrt auf Wissensarchitekturen gesetzt wird, um den Wandel und die künftige Nutzung eines Quartiers zu fördern. Für die Städte sind Bildungs- und Forschungsinstitutionen neben der wirtschaftlichen und kulturellen Bedeutung eigentliche »Urbanitätstreiber«. In Ergänzung zu den materiellen und baulichen Komponenten von Hochschulen in Entwicklungsgebieten, sind soziale Komponenten für die Areale wichtig. Die Stadt kann für noch wenig belebte Gebiete ein junges, dynamisches oder kreatives Image generieren. Dies kommt insbesondere bei urbanen Transformationsprozessen zum Tragen, wo die grosse Zahl von Studierenden und Dozierenden die Entwicklung des Quartiers befördern. Kritik an der Tatsache, dass Hochschulangehörige damit als Statisten oder kritische Masse für die Stadtentwicklung instrumentalisiert werden, wird mit dem Stichwort »Studentification« – in Anlehnung an den Begriff der Gentrification – ausgedrückt.

3. Statt eines Fazits: Sechs Beispiele
Wie konkret die Öffnung der Hochschule hin zur Stadt und der Einbezug von Wissensarchitekturen für die Stadtentwicklung geplant werden, sollen die nachfolgenden Beispiele aus der Deutschschweiz verdeutlichen. Anhand der realisierten oder geplanten Projekte, werden jeweils unterschiedliche Aspekte gestreift. Die Wertigkeit des Wissens in den Stadträumen und deren elementare Bedeutung für die Quartiere zeigen alle diese Leuchtturmprojekte auf. Eine Bilanz, wie das wechselseitige Verhältnis von Stadt und Hochschule an der Schnittstelle von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft ausfällt, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gezogen werden, dazu müssten die Akteure über ihre Alltagsrealität befragt werden. Für die städtebaulichen Prozesse indes gilt: Es muss mit einem Zeithorizont von mindestens 10 Jahren gerechnet werden. Dass einige »Stadtreparaturen« notwendig sind und folgen werden, zeichnet sich allerdings schon heute ab.

 

1. Hochschule für Gestaltung und Kunst Luzern
Viscosistadt: Vom Industrieareal zum Werk- und Denkplatz
Architektur: EM2N Architekten, Zürich, Masterplan Monosuisse-Areal 2012 sowie Umbau für die Kunsthochschule Departement Kunst und Design im »Bau 745«, Bezug 2016.

Auf einer Fläche so gross wie die Luzerner Altstadt entsteht am Ufer der Kleinen Emme ein neuer Stadtteil, in dem Arbeit, Bildung und Kultur sowie Wohnen Platz finden sollen. Auf dem Industriegelände, dessen Bauten grossteils erhalten bleiben, sind mehr als 50 Firmen oder Freischaffende aus Industrie, Gewerbe und Bildung aus über 15 Branchen tätig. Kernstück und als öffentliche Institution ein wichtiger Anker für die Planung ist der und auf den Hauptplatz ausgerichtete »Bau 745«, das umgebaute Kunsthochschulgebäude, das rückseitig an 16‘000 Quadratmeter grossen Emmen-Park am Fluss grenzt. Rund 300 Studierende und 90 Dozierende der Hochschule werden 2016 an den neuen Standort ziehen.

Viscosistadt: Die Hochschule als öffentliche Institution ist Anker für die Planung im Zentrum des neuen Stadtteils zwischen Hallenplatz und Emme-Park (Situation Viscosistadt, EM2N)

Viscosistadt: Die Hochschule als öffentliche Institution ist Anker für die Planung im Zentrum des neuen Stadtteils zwischen Hallenplatz und Emme-Park (Situation Viscosistadt, EM2N)

Visualisierung des neuen Standorts der Kunsthochschule in Luzern, angrenzend an den Emme-Park als Freifläche und öffentliche Zone (Visualisierung „Bau 745“, EM2N)

Visualisierung des neuen Standorts der Kunsthochschule in Luzern, angrenzend an den Emme-Park als Freifläche und öffentliche Zone (Visualisierung „Bau 745“, EM2N)


2. Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel, FHNW
Dreispitz-Areal: Campus der Künste
Entwicklungskonzept Vision Dreispitz, Herzog & de Meron, Basel, 2003
Architektur: Hochhausneubau von Morger + Dettli Architekten Basel, Umbau Zollfreilager von Müller Sigrist Architekten Zürich, Bezug der Kunsthochschule im Sommer 2014

Rund 750 Studierende und 200 Dozierende haben seit Herbst 2014 im neu erstellten Hochhaus sowie im umgebauten ehemaligen Zollfreilager ihre Studien- und Arbeitsplätze. Die von der Kunsthochschule genutzten Liegenschaften, die auf dem Dreispitz-Areal konzentriert wurden, stossen alle an den Freilager-Platz, dem als Treffpunkt und Veranstaltungsort eine übergeordnete und identitätsstiftende Bedeutung zukommen soll. Die Hochschule wird zum gewichtigen Faktor innerhalb der Quartierentwicklung, die zudem über Grün- und Freiflächen gestaltet wird. Das Areal wird von kulturellen Nutzungen sowie Wohnungen und Büros geprägt: Transitlager, Haus für elektronische Künste, Ausstellungsraum Oslo10, Internationales Austausch- und Atelierprogramm Region Basel iaab sowie das Archiv- und Wohngebäude des Architekturbüros Herzog & de Meuron.

Luftbild Dreispitz-Areal, öffentliche Freiräume zwischen dem Hochhaus und dem umgebauten Zollfreilager als neuer Standort für die Kunsthochschule (HGK Basel)

Luftbild Dreispitz-Areal, öffentliche Freiräume zwischen dem Hochhaus und dem umgebauten Zollfreilager als neuer Standort für die Kunsthochschule (HGK Basel)

Freilager-Platz als zentraler Treffpunkt im Dreispitz-Areal vor der den Ateliers und Werkstätten der Kunsthochschule im umgebauten, denkmalgeschützten Zollfreilager (HGK Basel)

Freilager-Platz als zentraler Treffpunkt im Dreispitz-Areal vor der den Ateliers und Werkstätten der Kunsthochschule im umgebauten, denkmalgeschützten Zollfreilager (HGK Basel)

Ein Hochhaus für die Künste (HGK Basel)

Ein Hochhaus für die Künste (HGK Basel)


3. Zürcher Hochschule der Künste, Toni-Areal
Von der Joghurtfabrik zur Kunsthochschule
Architektur: Umbau Toni-Areal, EM2N Architekten Zürich, Bezug Sommer 2014, Zürcher Hochschule der Künste ZHdK und Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHaW, Departemente Soziale Arbeit und Angewandte Psychologie

Die Zürcher Hochschule der Künste ZHdK ist im Sommer 2014 aus 35 Standorten ins Toni-Areal gezogen. Mit dem Bezug des Toni-Areals soll die Idee einer Kunsthochschule verwirklicht werden, die alle Kunst- und Designdisziplinen umfasst und an einem Ort vereint ist. Die Öffnung der Hochschule hin zur Stadt zeigt sich über ein so genannter »Kulturboulevard« mit Konzert-, Kino- und Ausstellungsräumen, die über die Rampe für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Auf der Stadtebene ermöglichen die Werkstätten  einen Einblick in die Produktion der Hochschule, zudem laden ein Bistro und Musikklub zum Verweilen ein.

Das Toni-Areal, mit rund 5000 Dozierenden, Studierenden und Angestellten, das neue Bildungszentrum inmitten des Entwicklungsgebiets Zürich-West. Das projektierte Stadion mit Mantelnutzung wurde vom Stimmvolk abgelehnt. (EM2N)

Das Toni-Areal, mit rund 5000 Dozierenden, Studierenden und Angestellten, das neue Bildungszentrum inmitten des Entwicklungsgebiets Zürich-West. Das projektierte Stadion mit Mantelnutzung wurde vom Stimmvolk abgelehnt. (EM2N)

Das Toni-Areal im ehemaligen Industriequartier, seit 2014 Sitz der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK, Foto: Regula Bearth)

Das Toni-Areal im ehemaligen Industriequartier, seit 2014 Sitz der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK, Foto: Regula Bearth)

Kulturboulevard: Die Rampe der ehemaligen Molkerei soll das Stadtpublikum zu den über 1000 öffentlichen Veranstaltungen pro Jahr ins Toni-Areal bringen (ZHdK, Foto: Regula Bearth)

„Kulturboulevard“: Die Rampe der ehemaligen Molkerei soll das Stadtpublikum zu den über 1000 öffentlichen Veranstaltungen pro Jahr ins Toni-Areal bringen (ZHdK, Foto: Regula Bearth)

 

 

Der Dachgarten als öffentliche Oase für das von Neubauten geprägte Quartier (ZHdK, Foto: Regula Bearth)

Der Dachgarten als öffentliche Oase für das von Neubauten geprägte Quartier (ZHdK, Foto: Regula Bearth)


4. Pädagogische Hochschule Zürich, Europaallee
Ein Haus des Lernens als Wegmarke im neuen Quartier
Masterplan Europaallee: Kees Christiaanse, KCAP, Rotterdam, seit 2004
Architektur: Max Dudler Architekten, Zürich, Pädagogische Hochschule Zürich, Büro und Retail, Bezug Sommer 2012

Die Pädagogische Hochschule ist Teil des Stadtentwicklungsgebiets Europaallee, an zentralster Lage beim Hauptbahnhof Zürich. Das neue Quartier mit einem Nutzungsmix von Dienstleistung, Gewerbe und Wohnbauten soll auf einer Fläche von knapp 80’000 Quadratmetern die Innenstadt erweitern und ergänzen und eine stärkere Verbindung zu den Quartieren Aussersihl und Industrie herstellen. Die Hochschule wurde im Baufeld A als erstes Gebäude der neuen Überbauung auf dem Areal der SBB im Sommer 2012 eröffnet. Rund 600 Angestellte und über 2500 Studierende, die hier erstmals konzentriert an einem Standort zusammengefasst werden, stehen für die Bedeutung von Bildung. In unmittelbarer Nachbarschaft zur PHZ sind zudem die Fachhochschule Sihlhof, eine Privatschule sowie die Berufsschule angesiedelt.

Auftakt für die Stadtteilentwicklung Europaallee: Mit der Eröffnung des Hochschulgebäude für die PHZ im Baufeld A 2012 ist die erste Etappe abgeschlossen (Europaallee)

Auftakt für die Stadtteilentwicklung Europaallee: Mit der Eröffnung des Hochschulgebäude für die PHZ im Baufeld A 2012 ist die erste Etappe abgeschlossen (Europaallee)

Im Sockel der Pädagogischen Hochschule Zürich steht eine Mall mit Einkaufszentren, die mit einem Angebot an für Outdoor, Travel, Adventure und Sport auf das studentische Umfeld reagiert (PH Zürich, Foto: Mike Krishnatreya)

Im Sockel der Pädagogischen Hochschule Zürich steht eine Mall mit Einkaufszentren, die mit einem Angebot an für Outdoor, Travel, Adventure und Sport auf das studentische Umfeld reagiert (PH Zürich, Foto: Mike Krishnatreya)

Maximale Dichte für die neuen Gebäude der Pädagogischen Hochschule, die den Campusplatz umschliessen (PH Zürich, Foto: Mike Krishnatreya)

Maximale Dichte für die neuen Gebäude der Pädagogischen Hochschule, die den Campusplatz umschliessen (PH Zürich, Foto: Mike Krishnatreya)

 

5. ETH Zürich Hönggerberg
From Science City to City of Science
Masterplan für die Science City, Kees Christiaanse, KCAP, Rotterdam, seit 2005

Zentrales Element für den Ausbau und Entwicklungsplan der ETH Hönggerberg, die in den 1970er Jahren auf der grünen Wiese für die auto-gerechte Stadt geplant wurde, ist mehr Diversität und Dichte in den Campus zu bringen. Mit Wohnungen für Studierende, mehr Restaurants, Läden und Gewerbebetriebe sollen urbane Qualitäten gestärkt und ein Anschluss an die Stadt ermöglicht werden. Seit 1999 verfolgt die ETH Zürich eine Infrastrukturentwicklungsstrategie in den drei Wissensräumen ETH Zentrum, ETH Science City sowie ETH World. Es ist erklärtes Ziel, sämtliche Innen- und Aussenbereiche der ETH als Teil eines universitären Wissensraumes zu gestalten. Dies beginnt bei der städtebaulichen Planung – ETH Zentrum und Science City – wie auch bei dem durch Informationsarchitektur zu gestaltenden virtuellen Raum ETH World.

Geplanter Ausbau im Modell: Mögliche Bauvolumen in der Science City, verstärkt werden soll die Diversität der Nutzungen durch Kongresszentrum, Wohnen und Gastronomie sowie einem Netzwerk von Wegen, um Innenhöfe, Plätze und Gärten zu verbinden (Kees Christiaanse, KCAP)

Geplanter Ausbau im Modell: Mögliche Bauvolumen in der Science City, verstärkt werden soll die Diversität der Nutzungen durch Kongresszentrum, Wohnen und Gastronomie sowie einem Netzwerk von Wegen, um Innenhöfe, Plätze und Gärten zu verbinden (Kees Christiaanse, KCAP)

14-15-16

Renderings der zukünftigen Nutzung mit Anschluss an die Stadt: Kongresszentrum und Boulevard, Innenhöfe und Plätze, sowie die mit der Verlängerung des Trams umgestaltete Eingangssituation zum Campus (Kees Christiaanse, KCAP)

 

6. ETH Zentrum/ Universität Zürich, Universitätsspital, Bildungs- und Kulturmeile
City Campus: Zukunft des Hochschulstandorts Zürich
Masterplan Hochschulgebiet Zentrum, Projektstand 2014

Die Bauten von Universität und ETH Zürich thronen über der Stadt und verkörpern das Verhältnis von Bürgerlicher Gesellschaft und Bildung im 19. Jahrhundert. Um sich im internationalen Wettbewerb zu behaupten, wollen Universität und ETH sowie das Universitätsspital das gewachsene Hochschulquartier erneuern. Im Masterplan bildet eine neue Hochschul-Plaza von 150 mal 50 Meter, an den Universität und ETH sowie Universitätsspital grenzen, als Herzstück das öffentliche Zentrum, das mit einer Bildungs- und Kulturmeile entlang der Rämi- und Universitätsstrasse ergänzt wird, und Kunsthaus und Schauspielhaus miteinbezieht. Markante Neubauten sollen eine Verdichtung ermöglichen, ehemalige durch Institute genutzte Wohnbauten ans Quartier zurückgegeben werden. Der neue Hochschulbereich soll Bildung und Kultur räumlich durch Park- und Grünflächen verzahnen.

Mögliche Neubaugebiete im gewachsenen Hochschulquartier. Die implizite Verzahnung von Hochschulbauten und Stadt soll durch eine raumplanerisch systematisch geplante ersetzt werden (Masterplan Hochschulgebiet Zentrum)

Mögliche Neubaugebiete im gewachsenen Hochschulquartier. Die implizite Verzahnung von Hochschulbauten und Stadt soll durch eine raumplanerisch systematisch geplante ersetzt werden (Masterplan Hochschulgebiet Zentrum)

Damit die Hochschulen sich weiterentwickeln und konkurrenzfähig bleiben können, sind Neubauten notwendig, die Akzente setzen (Masterplan Hochschulgebiet Zentrum)

Damit die Hochschulen sich weiterentwickeln und konkurrenzfähig bleiben können, sind gemäss Plan Neubauten notwendig, die Akzente setzen (Masterplan Hochschulgebiet Zentrum)

Modell des neuen Hochschulquartiers: Die Volumen der historischen Bauten von Universität und ETH, die über der Altstadt thronen, geben den Massstab für die Entwicklung vor (Masterplan Hochschulgebiet Zentrum)

Modell des neuen Hochschulquartiers: Die Volumen der historischen Bauten von Universität und ETH, die über der Altstadt thronen, geben den Massstab für die Entwicklung vor (Masterplan Hochschulgebiet Zentrum)

Verschlagwortet mitGeschichten, Bilder und Metaphern der Stadt – Bedeutungsüberschuss als schöpferisches Potential, No 6.

Über Janine Schiller

Janine Schiller hat Kulturwissenschaften sowie Geschichte und Theorie der Architektur studiert und forscht zu Stadt-, Wohn- und Alltagskultur. Als Dozentin an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK unterrichtet sie im Studiengang Kulturpublizistik und verantwortet u.a. die Publikationen zum Toni-Areal: Ein Themenheft von Hochparterre, den Toniblog (http://blog.zhdk.ch/toniblog) sowie eine Buchpublikation zur Hochschule am neuen Standort, die 2016 erscheint.

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