RECHERCHE/HINTERGRUND

hinweis

Mein Vorgehen bei Sonidero City entspricht jenem von Philip Marlowe, der Detektivfigur in Raymond Chandler’s Romanen aus den 1940er Jahren: es gibt einen Anfangspunkt, ein Thema oder ein Ort, von dem aus ich recherchiere und in der Folge von Zufällen, sozialen Netzwerken, Intuition und Erfahrungen geleitet werde. Es ist ein offenes und experimentelles Vorgehen, oft auch ein rauhes Abenteuer. Es führt einen tief in den Kontext hinein.

Was für den Detektiv Philip Marlowe der Fall eines verschwundenen Sohnes, ist für mich die fotografische Recherche. In Chandler’s Geschichten geht es weniger um das Lösen eines Falles als um eine Methode, Lebensgeschichten, die eine bestimmte Wendung genommen haben, nachzugehen und sie zu entschlüsseln. Marlowe nimmt die Spur auf, redet mit Leuten und fügt so die Geschichten zusammen, während ich in meiner Arbeit auf ähnliche Weise den vielfältigen kulturellen Spuren der Musik folge.

Die Fotografie ist mein Hauptaufzeichnungsmittel. Die Kamera ist einer der Gründe, loszuziehen und Dinge festzuhalten, die sonst allenfalls von der Zeit davongetragen würden.

Das Material, das sich daraus ergibt, sind zu einem grossen Teil Fotografien, eigene und Reproduktionen von LP Covers, gesammelte Fotos der Leute, etc.

Auch spielen Texte in Sonidero City eine wichtige Rolle: ich sammle, verarbeite, schreibe und transkribiere Texte, die als Mischung von eigenen und Fremdtexten in Anlehnung an meine Fotografien ihrer ganz eigenen und situativen Diktion folgen. Es gibt reflexive Texte und solche, die das Sprechen der Sonideros nachzeichnen.

Neben den Bildern sind auch die Art der Verarbeitung, die Darstellungsform und Verteilungsmethode zentral. Stets habe ich lokale Herstellungstechniken mit einbezogen, etwa durch das Drucken von Plakaten, auf denen jene Bilder gezeigt werden, die ich eben gemacht hatte.

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Mit dem Format von Plakaten und Publikationen sind einerseits die lokalen Bedingungen immer automatisch mit drin sind, andererseits ist die Arbeit auf diese Weise einfach verteilbar und unexklusiv. Das Eigenleben der Bilder nimmt damit seinen Lauf und die Vorstellung, das Buch liege auf dem Salontisch eines Sonidero-Hauses oder ein Sonidero City Plakat hänge in der Küche eines mexikanischen Haushalts in Los Angeles ist genauso Teil des Projekts.

Sonidero City schliesst also neben visuellem Material auch geografische, materielle und ökonomische Bedingungen mit ein. Es funktioniert daher eher wie ein System als wie eine Projektarbeit: Sonidero City dockt an das System der Soundsystems (Musik, Kommunikation, Nachbarschaften, Crew, Grafik, etc.) mit einem System von Text, Bild und Ton an. Dadurch wird einerseits über die Soundsystem- Kultur berichtet, andererseits gibt es Rückkoppelungen von Sonidero City in die Soundsystem Kultur.

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José Ortega/El Morelos

Weitere Informationen auf: www.flashinstitut.com und www.facebook.com/soniderocity

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